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ING vor dem Umbruch:
Abo-Modelle inklusive Amazon Prime und Disney+?

Die Landschaft der Girokonten wandelt sich rasant. Und das gilt natürlich auch und vor allem für den Finanzsektor.

Die ING, eine der beliebtesten Direktbanken, verabschiedet sich schrittweise vom klassischen Bankgeschäft und testet in europäischen Nachbarländern innovative Abo-Modelle. Statt reiner Kontoführung erhalten Kunden künftig Lifestyle-Pakete mit integrierten Streaming-Diensten. Wir haben einen aktuellen Überblick über die Pläne und was sich für Kontoinhaber ändern könnte zusammengefasst.

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ING-Abo-Modelle mit Amazon Prime Video und Disney Plus
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Was sich für deutsche Kunden (noch) nicht ändert

Aktuell können sich Neukunden und Bestandskunden der ING in Deutschland weiterhin über die gewohnten Konditionen freuen. Das Standard-Girokonto bleibt kostenlos, sofern ein monatlicher Geldeingang von mindestens 1.000 Euro verzeichnet wird oder der Kontoinhaber das 28. Lebensjahr noch nicht erreicht hat. Wird diese Schwelle verfehlt, fallen monatlich 4,90 Euro an. Die Visa Debitkarte ist weiterhin kostenfrei integriert, während für die optionale Girocard 1,49 Euro pro Monat berechnet werden.

Hinter den Kulissen bereitet sich die Bank jedoch auf einen strategischen Schwenk vor.

Die „Open ING“-Strategie: Banking trifft auf Lifestyle-Abo

Um sich in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld abzuheben, testet die ING in Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Polen und Rumänien bereits vierstufige Kontomodelle, die weit über das herkömmliche Banking hinausgehen. Das Ziel ist es, bankenfremde Dienstleistungen nahtlos in die Kontoführungsgebühr zu integrieren.

Die Struktur der „Open ING“-Tarife orientiert sich dabei stark an folgenden Kategorien (Preise am Beispiel Belgien):

  • Go (ca. 2,20 € / Monat): Das Basis-Modell für den Alltag. Enthalten sind eine Debitkarte und grundlegende Banking-Funktionen (z. B. 36 kostenfreie Bargeldabhebungen pro Jahr).

  • More (ca. 7,90 € / Monat): Die Mittelklasse für Streaming-Fans. Neben zwei Debitkarten erhalten Kunden hier ein Abo für Amazon Prime oder Disney+ sowie nützliche Reiseversicherungen. Durch einen monatlichen Mindestgeldeingang wird dieser Preis oft stark rabattiert.

  • Extra (ca. 19,90 € / Monat): Für Vielreisende. Weltweit gebührenfreies Abheben, keine Fremdwährungsgebühren, Amazon Prime und zusätzliche Garantieverlängerungen für Einkäufe.

  • Max (ca. 39,90 € / Monat): Das Premium-Paket. Inklusive Visa Infinite Kreditkarte, Amazon Prime, exklusivem Concierge-Service und kostenlosem Zugang zu Flughafen-Lounges weltweit.

Wann kommt das Abo-Modell nach Deutschland?

Die ING hat bestätigt, dass das Interesse an den neuen Tarifmodellen in den Pilotländern groß ist. Die Bank hat angekündigt, dieses Konzept auf weitere Märkte auszurollen, darunter Deutschland, Spanien, Italien und Australien. Das Ziel ist eine weltweit einheitliche Struktur für das Privatkundengeschäft. Einen konkreten Stichtag für den Start der Abo-Modelle auf dem deutschen Markt gibt es derzeit jedoch noch nicht.

  • Wer darf mit? Das Ticket gilt für bis zu fünf Personen. Konkret dürfen 1 bis 2 Erwachsene (ab 15 Jahren) und 1 bis 4 Kinder (zwischen 6 und 14 Jahren) reisen. Kinder unter 6 Jahren fahren ohnehin kostenlos mit.

  • Kinder-Pflicht: Es muss zwingend mindestens ein Kind (6 bis 14 Jahre) mitreisen. Das Angebot kann nicht von reinen Erwachsenengruppen gebucht werden. Ein verwandtschaftliches Verhältnis unter den Reisenden ist hingegen nicht notwendig.

  • Reisezeitraum: Das Angebot deckt die gesamten Sommerferien ab. Das Ticket ist bis zum 12. September 2026 buchbar. Die Fahrten müssen zwischen dem 26. Juni und dem 14. September 2026 stattfinden.

  • Zugbindung: Wie bei Sparpreisen üblich, legen Sie sich bei der Buchung auf eine konkrete Verbindung fest. Das Kontingent ist limitiert, früh buchen lohnt sich also.

Die wesentlichen Treiber hinter dieser Strategie

Hinter den Plänen der ING, klassische Konten in ein mehrstufiges Abo-Modell mit Lifestyle- und Streaming-Extras zu verwandeln, stecken mehrere strategische und ökonomische Überlegungen. Die Bank erfindet das Rad hier nicht völlig neu, sondern reagiert auf einen sich radikal verändernden Bankenmarkt.

Abkehr von der Zinsabhängigkeit (Steigerung des Provisionsgeschäfts)

Banken leben traditionell von der Marge zwischen den Zinsen, die sie für Kredite verlangen, und den Zinsen, die sie Sparern zahlen. Da die Zinsmärkte langfristig volatil und unberechenbar sind, suchen Banken nach stabileren, planbaren Einnahmequellen. Monatliche Abo-Gebühren (SaaS – Software as a Service bzw. Banking as a Service) bieten genau das: einen konstanten, wetterunabhängigen Cashflow aus dem Provisionsüberschuss.

Das „Amazon Prime“-Phänomen (Kundenbindung durch Lock-in-Effekt)

Wenn ein Kunde ein Konto besitzt, das ihm gleichzeitig seinen Zugang zu Amazon Prime oder Disney+ finanziert, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Bankwechsels drastisch. Das Girokonto wird vom reinen Verwahrort für Geld zu einem zentralen Bestandteil des täglichen Lebens. Diesen psychologischen Effekt nennt man Lock-in-Effekt: Der Kunde vergleicht nicht mehr nur Kontogebühren, sondern verliert beim Wechsel auch liebgewonnene Alltags-Vorteile.

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Dem Trend der „Super-Apps“ folgen

In Asien machen es Apps wie WeChat oder Alipay seit Jahren vor, und auch europäische Neobanken (wie Revolut oder N26) drängen dorthin: Das Smartphone soll eine einzige App bereithalten, über die der Nutzer alles regelt – vom Bezahlen über das Streamen bis hin zum Buchen von Reisen und Versicherungen. Die ING versucht, diesen Trend im traditionellen Bankensektor zu besetzen, bevor Tech-Konzerne (wie Apple mit der Apple Card) den Banken das Wasser ganz abgraben.

Aggressives Cross-Selling von margenstarken Produkten

Die höheren Abo-Stufen (wie „Extra“ oder „Max“) lohnen sich für die Bank nicht primär durch die Grundgebühr – diese wird oft durch die Kosten für die Streaming-Dienste und Premium-Kreditkarten aufgefressen. Das eigentliche Ziel ist Cross-Selling. Wer ein Premium-Konto hat, schließt statistisch gesehen eher seine Baufinanzierung, Konsumkredite, Depots oder lukrative Zusatzversicherungen bei derselben Bank ab.

Höhere Margen durch Bündelung

Für eine Bank ist es günstiger, hunderte Tausende Amazon- oder Disney-Lizenzen im Bündel („Wholesale“) einzukaufen, als wenn der Endverbraucher sie einzeln erwirbt. Die ING kann diese Ersparnis nutzen, um ein Paket zu schnüren, das für den Kunden auf den ersten Blick wie ein gutes Geschäft aussieht, während für die Bank unter dem Strich eine solide Marge übrig bleibt.

Fazit

Die Pläne für die neuen Abo-Modelle zeigen deutlich, dass die ING zunehmend auf ein „Ökosystem“-Modell setzt, bei dem das Girokonto zur Schaltzentrale für den digitalen Alltag wird. Ob die deutschen Kunden bereit sind, für integrierte Leistungen wie Amazon Prime monatlich höhere Bankgebühren zu zahlen, oder ob sie sich für Basis-Konten bei Mitbewerbern entscheiden, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Klar ist: Das bedingungslos kostenlose Girokonto steht auch bei großen Direktbanken zunehmend auf dem Prüfstand.

Quellenangaben:

  • Offizielle Mitteilungen der ING Group zur internationalen Strategie („Open ING“)
  • Aktuelle Konditionen und Preis- und Leistungsverzeichnis der ING Deutschland
  • Finanz- und Branchenberichte zur Einführung der ING-Abomodelle in Belgien und den Niederlanden
  • Bildmaterial:https://artlist.io/ai/image-generator

Über den Autor:

Michael Suhr | Bj. 1974
Michael Suhr | Bj. 1974Dipl. Betriebswirt - Webdesigner
Nach über 20 Jahren in der Logistikbranche habe ich den Schritt gewagt und mein langjähriges Hobby zum Beruf gemacht. Als Dipl. Betriebswirt, Webdesigner und Blogger verbinde ich heute handfestes wirtschaftliches Know-how mit kreativer digitaler Umsetzung. Auf meinem Blog dreht sich alles um die Themen, die mich täglich antreiben: Office-Optimierung, Karriere-Tipps, Tech-Trends und smarte Finanzen. Mein Ziel? Dir praktisches Wissen und digitale Lösungen an die Hand zu geben, die dich im Job und Alltag wirklich weiterbringen.
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