Der IDScan-Albtraum: 150 Millionen geknackte Identitäten

Wenn die Systeme, die uns eigentlich vor Betrug schützen sollen, selbst zum größten Sicherheitsrisiko werden, erreicht die Cyberkriminalität eine neue Eskalationsstufe. Der Hack des US-Dienstleisters IDScan.net, bei dem über 150 Millionen Ausweisdokumente in die Hände von Kriminellen fielen, ist nicht nur ein amerikanisches Problem. Er offenbart einen fundamentalen Konstruktionsfehler in der Art und Weise, wie Unternehmen weltweit unsere Identitäten verifizieren – und betrifft durch die globale Vernetzung auch Urlauber und Geschäftsreisende aus Deutschland.
Mehr als nur ein Datendiebstahl
Anfang September 2026 deckte IT-Sicherheitsexperte Brian Krebs auf, dass ein Darknet-Marktplatz namens „Nexus“ eine beispiellose Datenbank zum Verkauf anbot. Die Spur führte zu IDScan.net, einem Anbieter, dessen Software in den USA und Kanada bei Autovermietungen, Casinos, Lieferdiensten und im Einzelhandel zum Standard gehört.
Das Erschreckende an diesem Leak ist die Qualität der erbeuteten Daten. Es geht nicht um geleakte Passwörter oder E-Mail-Adressen. Die Hacker entwendeten hochauflösende Scans von Vorder- und Rückseiten der Dokumente, inklusive biometrischer Fotos, Unterschriften und sogar Infrarot-Aufnahmen, die bei der Überprüfung vor Ort erstellt wurden. Wer im Besitz dieser Daten ist, hält den digitalen Generalschlüssel zu einer fremden Identität in den Händen.
Die Gefahr für deutsche Nordamerika-Reisende
IDScan.net operiert zwar primär in Nordamerika, doch die Kundenliste umfasst global agierende Konzerne wie Hertz oder FedEx. Wer in den vergangenen Jahren in den USA oder Kanada einen Mietwagen gebucht, bestimmte Bars besucht oder in einem Casino eingecheckt hat, musste fast immer seinen Reisepass oder deutschen Führerschein vorlegen.
Wurde das Dokument dabei durch einen Scanner gezogen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Daten auf den Servern von IDScan landeten. Damit droht auch deutschen Reisenden ein handfestes Risiko für Identitätsdiebstahl, bei dem Kriminelle im fremden Namen Konten eröffnen oder Transaktionen im Netz durchführen.
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Quellen & Weiterführende Informationen
- KrebsOnSecurity: Berichterstattung von Brian Krebs zur Aufdeckung des „Nexus“-Marktplatzes und der Verbindung zu IDScan.net. krebsonsecurity.com
- TIME Magazine: FBI Probes Report of Breach Exposing 153 Million Driver’s License time.com
- Computerbild / Heise Online: Meldungen zum Umfang des Datenleaks und den betroffenen Dokumentenarten.
- Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Hintergrundinformationen zur Sicherheit der eID-Funktion des deutschen Personalausweises. bsi.bund.de
- Bildmaterial: www.dall-e-free.com
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