Was wäre wenn…
Wir kein Fleisch mehr essen würden?
Ein Leben ohne Wurst ist möglich, aber sinnlos!
Das Steak auf dem Grill, der knusprige Sonntagsbraten oder die schnelle Currywurst – Fleisch ist tief in unserer Kultur und Wirtschaft verwurzelt. Doch stellen wir uns ein globales Gedankenexperiment vor: Was würde passieren, wenn die gesamte Menschheit von heute auf morgen oder in einem rasanten Wandel vollständig auf den Konsum von tierischem Fleisch verzichtet?
Da ein solches Szenario in der Realität bisher ohne Beispiel ist, müssen wir fundierte Hypothesen aufstellen. Wenn wir ökologische, gesundheitliche und wirtschaftliche Daten extrapolieren, zeichnet sich das Bild eines drastischen globalen Umbruchs ab.

Der ethische Übergang: Die Milliarden von Schweinen, Rindern und Hühnern in der aktuellen Massentierhaltung würden nicht „ausgewildert“ werden können. In der Realität würde ein Ausstieg wohl graduell erfolgen: Die Zucht würde gestoppt, und die Population der sogenannten Nutztiere würde auf ein absolutes Minimum schrumpfen, das in Gnadenhöfen oder als Landschaftspfleger überlebt.
Wirtschaftliche Beben und neue Märkte
Ein kompletter Stopp des Fleischkonsums würde die Weltwirtschaft in ihren Grundfesten erschüttern. Ganze Industrien würden kollabieren, während neue in astronomischem Tempo wachsen würden.
| Sektor | Status Quo (Fleischkonsum) | Hypothese (Pflanzliche Welt) |
|---|---|---|
| Landwirtschaft | Stark subventionierte Tierhaltung, Futtermittelanbau | Umstellung auf Hülsenfrüchte, Getreide, Vertical Farming |
| Lebensmittelindustrie | Schlachthöfe, Fleischverarbeitung, Kühlketten | Lab-Grown-Proteine, Fermentation, Precision Farming |
| Arbeitsmarkt | Millionen Jobs in der Fleischproduktion | Umschulungswellen; neue Jobs in Agrar-Technologie |
Traditionelle Bauern und die gesamte Fleischlobby würden somit vor dem Ruin stehen, wenn es keine massiven staatlichen Übergangshilfen gäbe. Gleichzeitig würden Unternehmen, die Fleischersatzprodukte herstellen, Algen züchten oder in der synthetischen Biologie arbeiten, zu den neuen globalen Megakonzernen aufsteigen.
Eine Welt ohne Fleischkonsum wäre ökologisch gesünder, ressourceneffizienter und würde das globale Gesundheitssystem auf lange Sicht entlasten. Der Weg dorthin wäre jedoch von massiven wirtschaftlichen Schmerzen und tiefgreifenden kulturellen Konflikten geprägt. Es wäre kein leiser Übergang, sondern eine der größten strukturellen Revolutionen in der Geschichte der Menschheit.
Quellenangaben:
Ökologie, Klima und Flächennutzung
- Poore, J., & Nemecek, T. (2018). Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers (Science):
Diese Meta-Analyse von fast 40.000 Farmen in 119 Ländern gilt als Standardwerk. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass ein globaler Wechsel zu einer rein pflanzlichen Ernährung die weltweite landwirtschaftliche Nutzfläche um über 75 % (eine Fläche so groß wie die USA, China, die EU und Australien zusammen) reduzieren würde. Auch die ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen würden dramatisch sinken. - Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO):
Die FAO berechnet durch ihr Global Livestock Environmental Assessment Model (GLEAM) regelmäßig den ökologischen Fußabdruck der Nutztierhaltung. Sie belegt, dass fast 80 % der globalen Agrarflächen für Weideland und Futtermittelanbau beansprucht werden. - Mekonnen, M. M., & Hoekstra, A. Y. (2012). A Global Assessment of the Water Footprint of Farm Animal Products (Ecosystems):
Diese Datenerhebung im Auftrag des Water Footprint Network ist die primäre Quelle für den Wasserverbrauch. Sie belegt unter anderem den globalen Durchschnittswert von rund 15.400 Litern Wasser für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch.
Gesundheit und Welternährungssicherheit
- EAT-Lancet Commission (2019). Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems (The Lancet):
Ein Gremium aus 37 führenden Wissenschaftlern aus 16 Ländern berechnete, wie 10 Milliarden Menschen im Jahr 2050 gesund und innerhalb der planetaren ökologischen Grenzen ernährt werden können. Die „Planetary Health Diet“ fordert eine massive Reduktion von Fleisch. Der Bericht schätzt, dass so jährlich weltweit etwa 11 Millionen vorzeitige Todesfälle (vor allem durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen) verhindert werden könnten. - Springmann, M. et al. (2016). Analysis and valuation of the health and climate change cobenefits of dietary change (PNAS):
Diese Studie der Universität Oxford modelliert exakt das Szenario eines globalen Wandels hin zu vegetarischer oder veganer Ernährung. Sie prognostiziert einen weltweiten Rückgang der Sterblichkeit um 6 bis 10 % und eine Reduktion der ernährungsbedingten Emissionen um bis zu 70 % bis zum Jahr 2050. - Weltgesundheitsorganisation (WHO):
Die Angaben zu Zivilisationskrankheiten und Medikamenten fußen auf offiziellen WHO-Warnungen. Die WHO stufte verarbeitetes Fleisch als krebserregend (Gruppe 1) und rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend (Gruppe 2A) ein. Zudem warnt die WHO in ihren Berichten eindringlich vor dem massenhaften Antibiotikaeinsatz in der industriellen Tiermast als Haupttreiber für lebensgefährliche multiresistente Keime.
Wirtschaftliche Auswirkungen
- Die im Artikel beschriebenen wirtschaftlichen Entlastungen durch den Wegfall von Behandlungskosten für Zivilisationskrankheiten und vermiedene Klimafolgeschäden basieren ebenfalls auf den ökonomischen Berechnungen der oben genannten Oxford-Studie (Springmann et al., 2016). Die Autoren beziffern den globalen wirtschaftlichen Nutzen eines solchen Ernährungswandels auf 1 bis 31 Billionen US-Dollar pro Jahr.
- Bildmaterial:https://www.dall-efree.com
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