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Wie Penny mit der KI „Eagle Eye“ das Einkaufen revolutioniert

Lange Warteschlangen an der Supermarktkasse sind der Albtraum vieler Kunden – und für das Personal eine enorme Stressquelle. Der Discounter Penny geht dieses Problem nun mit modernster Technik an. Die Rewe-Tochter rüstet ihre Filialen mit einer Künstlichen Intelligenz aus, die das Anstehen drastisch verkürzen soll. Doch wie funktioniert das System und was bedeutet das für den Datenschutz?

Wir haben alle aktuellen Hintergrundinformationen zusammengefasst.

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Penny Eagle Eye
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Kameras an der Decke: So funktioniert „Eagle Eye“

Penny setzt auf das Kassenkontrollsystem „Eagle Eye“ des gleichnamigen deutschen Technologieunternehmens. Das Prinzip ist simpel, aber technologisch hochkomplex:

  • An der Decke der Kassenzone sind intelligente Kameras installiert.
  • Die KI erfasst jeden Kunden einzeln, indem sie gewissermaßen „Skelette“ (also die Körperumrisse der Personen) zählt.
  • Der kritische Schwellenwert liegt bei fünf Personen. Sobald sich mehr als fünf Kunden an einer Kasse einreihen, schlägt das System an.

Mensch vor Maschine: Die Letztentscheidung bleibt beim Personal

Wenn die KI eine zu lange Schlange registriert, sendet sie einen Hinweis an die Mitarbeiter auf der Verkaufsfläche. Der Clou dabei: Die KI öffnet die Kasse nicht selbst und zwingt das Personal auch nicht dazu. Laut Alexander Kelleter, Projektleiter Digitalisierung bei Penny, dient das System lediglich der Information. Ob eine weitere Kasse geöffnet wird, entscheidet weiterhin das Personal vor Ort – flexibel und abhängig von der aktuellen Auslastung im Markt.

Datenschutz und Mitarbeiter-Überwachung: Gibt es Grund zur Sorge?

Der Einsatz von Kamerasystemen im Einzelhandel ruft oft Verbraucherschützer auf den Plan. Penny hat klare Richtlinien kommuniziert, um Bedenken auszuräumen:

  • Strikte Anonymität: Es findet keine Gesichtserkennung statt. Das System erfasst lediglich Umrisse.

  • Lokale Datenverarbeitung: Alle erfassten Daten werden ausschließlich lokal in der jeweiligen Filiale verarbeitet. Es gibt keine Cloud-Übertragung an externe Server, das Material verlässt den Markt nicht.

  • Keine Leistungskontrolle: Das System ist explizit nicht dafür ausgelegt, die Arbeitsgeschwindigkeit der Belegschaft zu überwachen. Es geht allein um die Steuerung der Kundenströme.

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Der Überwachungsskandal bei REWE und Penny (2013)

Im Frühjahr 2013 deckte das ZDF-Politikmagazin „Frontal 21“ auf, dass die Rewe-Gruppe – und hierbei insbesondere die Discounter-Tochter Penny – über Jahre hinweg eigene Mitarbeiter heimlich und zum Teil rechtswidrig überwacht hatte. Dieser Skandal erschütterte das Vertrauen in den Konzern massiv und bildet den historischen Hintergrund, warum Neuerungen wie die heutige KI-Bilderkennung „Eagle Eye“ unter so strenger Beobachtung von Datenschützern und Arbeitnehmervertretern stehen.

Die Methoden: Versteckte Kameras und Privatdetektive

Die Recherchen von „Frontal 21“ förderten im April 2013 erschreckende Praktiken der systematischen Ausspähung, die vorwiegend in den Jahren 2009 und 2010 stattfanden, zutage:

  • Kameras in der Decke: Externe Detekteien wurden vom Konzern beauftragt, nachts nach Ladenschluss heimlich hunderte Meter Kabel in den Filialen zu verlegen. Miniaturkameras wurden hinter Deckenplatten versteckt, um das Personal unbemerkt zu filmen – teilweise wurden die Linsen sogar gezielt auf die privaten Spinde der Beschäftigten gerichtet.

  • Bespitzelung bis ins Privatleben: Die Überwachung endete nicht an der Supermarkttür. Einem ehemaligen Penny-Filialleiter wurde beispielsweise durch Detektive bis in sein privates Wohnumfeld nachgestellt. Es wurden Fotos seines privaten Kellers gemacht, um einen unbegründeten Verdacht auf Diebstahl und Alkoholmissbrauch zu prüfen.

  • Pauschale Überwachung statt Anfangsverdacht: Obwohl verdeckte Videoüberwachung arbeitsrechtlich nur als „Ultima Ratio“ (also als allerletztes Mittel bei einem konkreten Straftatverdacht) zulässig ist, fand sie oftmals anlasslos statt. Eine interne E-Mail der Penny-Revision Süd belegte für das Jahr 2010 bei den Kamera-Einbauten eine „Deliktquote von 0 Prozent“ – die wochenlangen Überwachungen blieben also völlig ergebnislos, da die Mitarbeiter unschuldig waren.

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Die Reaktion des Konzerns

Die Rewe-Gruppe wies damals den Vorwurf einer flächendeckenden Bespitzelung nach der Ausstrahlung der Vorwürfe zurück. Der Konzern räumte verdeckte Kameraüberwachungen ein, deklarierte diese jedoch als „begründete Einzelfälle“. Es gab personelle Konsequenzen: Eine Mitarbeiterin der internen Revision von Penny Süd, die eigenmächtig Überwachungen veranlasst haben soll, wurde nach internen Prüfungen entlassen.

Der damalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und die Gewerkschaften kritisierten jedoch das Vorgehen scharf, da die beauftragten Detekteien quasi freie Hand hatten und fundamentale rechtsstaatliche Regeln der Mitarbeiterüberwachung missachtet wurden.

Teil einer größeren Digitalisierungsstrategie

Der Schritt von Penny ist kein Einzelfall, sondern reiht sich in die umfassende KI-Strategie der Rewe Group ein. Während andere Händler wie Aldi Süd (mit dem Konzept „SHOP&GO“) oder Rewe selbst („Pick and Go“) in ersten Testmärkten bereits auf komplett kassenlose Konzepte setzen, konzentriert sich Penny mit „Eagle Eye“ darauf, den klassischen Bezahlvorgang im Discounter-Alltag effizienter zu machen.

Mit der Einführung der KI „Eagle Eye“ wagt Penny einen pragmatischen Schritt zur Lösung eines der größten Ärgernisse im stationären Einzelhandel. Die Technologie unterstützt das Personal effizient, ohne es zu bevormunden, und die strengen Datenschutzvorgaben – wie die rein lokale Verarbeitung – dürften die meisten Kritiker beruhigen. Ob die Schlangen dadurch künftig wirklich spürbar kürzer werden, hängt jedoch weiterhin am Personal vor Ort und der Frage, ob überhaupt Mitarbeiter frei sind, um die von der KI geforderte zweite Kasse zu besetzen.

Quellenangaben:

  • CHIP (28.05.2026): Discounter Penny setzt KI-System bei Warteschlangen an der Kasse ein
  • Foodaktuell (27.05.2026): Bei Penny erkennt KI Warteschlangen an der Kasse
  • inFranken.de (26.05.2026): Penny: Neue KI scannt jetzt Kunden an der Discounter-Kasse

Über den Autor:

Michael W. Suhr | Baujahr 1974Dipl. Betriebswirt | Webdesign- und Beratung | Office Training
Nach 20 Jahren in der Logistik habe ich mein Hobby welches mich seit Mitte der 1980er Jahre begleitet zum Beruf gemacht, und bin seit Anfang 2015 als Freelancer im Bereich Webdesign, Webberatung und Microsoft Office tätig. Nebenbei schreibe ich soweit es die Zeit zulässt noch Artikel für mehr digitale Kompetenz in meinem Blog.
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